Das Mainzer Psychoanalytische Institut (mpi) wurde am 29. März 1995 gegründet. Es trug zunächst die Bezeichnung „Mainzer Psychoanalytische Arbeitsgemeinschaft“. Im Zuge der Anerkennung durch die Kassenärztliche Bundesvereinigung erhielt es seinen jetzigen Namen.

Vorläufer des mpi war das am 17. Januar 1985 gegründete Psychoanalytische Seminar Mainz-Wiesbaden e.V. (PSMW). Es diente der Weiterbildung in Tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie in der Region Mainz und Wiesbaden. Die 14 Gründungsmitglieder des PSMW waren alle Mitglieder der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung (DPV). Am PSMW konnten Ärzte die Zusatzbezeichnung Psychotherapie erwerben, mit der sie vollberuflich tätig sein konnten. Von Anfang an nahm eine große Zahl von Diplom-Psychologen an der Weiterbildung teil, obwohl der Abschluss in tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie ihnen zu der Zeit noch keine Teilnahme an der vertragsärztlichen Versorgung eröffnete.

Zehn Jahre nach seiner Gründung bestand der Lehrkörper aus 25 Mitgliedern, es waren 101 Kandidaten zur Weiterbildung zugelassen worden. Jedoch hatten sich inzwischen die rechtlichen Rahmenbedingungen geändert, so dass sich Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Psychotherapie allein nicht mehr niederlassen konnten, sondern Fachärzte sein mussten, in deren Ausbildung eine Psychotherapieweiterbildung integriert war. Es war abzusehen, dass es diesen künftigen Fachärzten eher darum gehen würde, psychotherapeutische Kenntnisse in eine Kliniktätigkeit einzufügen anstatt hauptsächlich als ärztliche Psychotherapeuten zu arbeiten, während die drei- bis fünfjährige Weiterbildung des PSMW ausdrücklich so angelegt war, Ärzte als Psychotherapeuten zu qualifizieren und nicht nur in Teilkompetenzen auszubilden.

Im Zuge der zehnjährigen Entwicklung des PSMW hatte sich dessen psychoanalytische Ausrichtung vertieft und mündete in dem Vorhaben, ein psychoanalytisches Ausbildungsinstitut zu gründen. Ausschlaggebend war, dass es in Rheinland-Pfalz bis dahin kein einziges psychoanalytisches Ausbildungsinstitut gegeben hatte. Deshalb fand sich am 28. September 1994 eine Gruppe ortsansässiger DPV-Mitglieder (Behrens, Klauenflügel, Riedell-Heger, A. Werthmann, Willenberg) zusammen im „Ausschuss zur Gründung eines psychoanalytischen Seminars Mainz“ und erarbeitete eine Satzung, eine Weiterbildungsordnung und ein Curriculum. Vorgesehen war unter anderem eine enge Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Psychoanalytischen Institut.

Am 29. März 1995 fand die Gründungsversammlung der Mainzer Psychoanalytischen Arbeitsgemeinschaft (MPA) in den Räumen der Universitätspoliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Mainz statt. Versammlungsleiter war Prof. Dr. Hans-Volker Werthmann. Die anwesenden 23 Personen befürworteten einstimmig die Gründung der MPA. Der erste Vorstand setzte sich zusammen aus Dr. med. Helmut Luft (1. Vorsitzender), Dr. phil. Hans Willenberg (2. Vorsitzender), Dipl.-Psych. Eugen Gülker (Schatzmeister), Dr. med. René Fischer (Leiter des Weiterbildungsausschusses), Dr. phil. Annelore Werthmann (Vertreterin der DGPT) und Dr. phil. Ingrid Behrens (kooptiert). Der Arbeitsgemeinschaft gehörten 6 Lehranalytiker an. Die Anzahl an Lehranalytikern war wichtig, um der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung (DPV) gegenüber nachzuweisen, dass die MPA imstande sein würde, einen eigenständigen Lehrbetrieb vollumfänglich zu gewährleisten.

Die Eröffnungsfeier der MPA fand am 28. und 29. Juni 1996 in den Räumen der Universitätspoliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie und im kurfürstlichen Schloss Mainz statt. Leon Wurmser war als Hauptreferent geladen und hielt seinen Festvortrag zu „Defizit, Defekt, Konflikt und narzisstischer Teufelskreis“.

Der Vorstand der MPA tagte erstmals am 8. Juni 1995, der Weiterbildungsausschuss erstmals am 29. August 1995. Am 24. Oktober 1995 fand die erste Mitgliederversammlung der MPA statt. Es wurden Fragen der Anerkennung durch die Landesärztekammer, des wissenschaftlichen Engagements, der Eintragung als Verein, der Finanzierung und der Öffentlichkeitsarbeit besprochen.

Die DPV erkannte die „Mainzer Psychoanalytische Arbeitsgemeinschaft“ als Ausbildungsinstitut am 25. Mai 1995 an. Die Anerkennung der MPA als Institut im Aufbau durch die Deutsche Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatische Medizin und Tiefenpsychologie (DGPT) erfolgte am 30. November 1995.

Am 26. September 1995 fand eine erste Informationsveranstaltung für Weiterbildungsinteressenten statt, es wurden vier Kandidaten zugelassen. Im Wintersemester 95/96 lief ein Probesemester an, und die curriculare Ausbildung begann im Sommersemester 1996.

In den Jahren vor Verabschiedung des Psychotherapeutengesetzes (PsychThG am 16. Juni 1998) erfolgte die Anerkennung von Ausbildungsinstituten für Psychologen ausschließlich durch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), während die Vorschriften für die psychoanalytische Weiterbildung von Ärzten – wie heutzutage auch - in den Händen der Ärztekammern lag. Zur Anerkennung durch die KBV musste die MPA nachweisen, zwei Jahre lang einen curricular vollständigen Ausbildungsbetrieb erfolgreich durchgeführt zu haben. Die MPA hatte mit vier Ausbildungsteilnehmern gestartet. Bis zur Anerkennung durch die KBV war die Zahl der Ausbildungsteilnehmer und -kandidaten auf vierzehn angewachsen und die Anzahl der Lehranalytiker auf acht.

Die Anerkennung durch die KBV erfolgte am 18. Dezember 1998. Dies wurde zum Anlass einer Umbenennung von MPA in Mainzer Psychoanalytisches Institut (mpi) genommen. Das mpi war somit das jüngste und letzte DPV-Institut, für welches noch die KBV die maßgebliche Anerkennungsbehörde war, während ab 1999 die Landesbehörden gemäß PsychThG diese Funktion übernahmen mit der Neuerung, dass eine staatliche Prüfung mit anschließender Approbation eingeführt wurde.

Die Verabschiedung des PsychThG am 16. Juni 1998 erforderte kurz nach der erfolgreichen Anerkennung durch die KBV umfangreiche Umstrukturierungen des mpi, um die durch das Gesetz vorgegebene Approbationsordnung zu erfüllen. Zwar war die qualitativ hohe Ausrichtung an psychoanalytischen Standards eine gute Voraussetzung, aber in langen Verhandlungen mit dem Ministerium für Arbeit, Soziales und Gesundheit in Rheinland-Pfalz mussten die Ausbildungsstandards aller künftigen Landesinstitute geprüft, verglichen und aneinander angepasst werden. Der Behörde war z.B. nicht leicht vermittelbar, was das mpi unter einer integrierten Ausbildung verstand, die von einer gemeinsamen psychoanalytischen Krankheitstheorie ausgehend zu zwei Fachkundenachweisen führte (tiefenpsychologisch fundierte und analytische Psychotherapie). Die Diskussionen mit dem Ministerium wurden von Seiten des mpi im Wesentlichen von Herrn Willenberg und Frau Werthmann bestritten und führten zu dem Erfolg, dass das mpi am 8. November 1999 seine „Anerkennung als Ausbildungsstätte gemäß § 6 PsychThG erlangte – als erstes DPV-Institut in Deutschland überhaupt.

Längst waren Überlegungen im Gange, parallel zur Ausbildung von Erwachsenen-Analytikern am mpi ein Ausbildungsinstitut für analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten zu schaffen, eine Planung, die erst nach Verabschiedung des PsychThG sinnvoll sein konnte, weil das Gesetz für Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten ebenfalls eine Approbationsmöglichkeit vorsah. Zu dieser Gründung wurde das mpi sowohl vom Ministerium für Arbeit, Soziales und Gesundheit wie von der Kassenärztlichen Vereinigung Rhein-Hessen ermutigt, weil der Bedarf an qualifizierten Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten in Rheinland-Pfalz als dringlich erkannt worden war.

Am 9. Mai 1999 wurden die ersten Schritte zu einer entsprechenden Institutsgründung eingeleitet. Auf ihrer Gründungsversammlung am 2. November 1999 beschloss die mpi-Sektion „analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie (akjp)“ in Mainz ihre Satzung und ihre Studienordnung und benannte die Mitglieder des künftigen Ausbildungsausschusses. Als Geschäftsführerin wurde Frau Cordes gewählt, und die Ausbildungsleitung übernahm Frau Fischer. Beide nahmen an den Verhandlungen mit der Anerkennungsbehörde teil. Die Ausarbeitung eines Curriculums und einer Studienordnung hatte die inzwischen verstorbene Frau Kilb-Alter übernommen.

Nachdem im Jahr 1999 die staatliche Anerkennung als Ausbildungsinstitut für psychologische Psychotherapie sowie Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie erfolgt war, nahm das mpi/akjp im Sommer 2000 seinen Ausbildungsbetrieb auf und konnte nach Vorliegen der Ermächtigung einer Ausbildungsambulanz schon am 22. März 2001 die ersten Kandidaten Behandlungen unter Supervision durchführen lassen.

Nach Vorliegen der staatlichen Anerkennungen für beide Ausbildungsinstitute beschlossen Frau Kilb-Alter und Frau Werthmann, die beiden Ausbildungsordnungen und Curricula in einer ausführlichen Informationsschrift zusammenzufassen (erste Info-Schrift November 1999, 77 Seiten, überarbeitete Fassung Januar 2011, 91 Seiten). Es ist eine Besonderheit dieser Informationsschrift, dass hier nicht nur die formalen Ausbildungsregularien niedergelegt wurden, sondern dass die Inhalte der einzelnen Lehrveranstaltungen eingehend dargestellt werden.

Seither betreibt das mpi unter seinem Dach zwei anerkannte Ausbildungsinstitute. Das mpi/akjp hat eine glückliche Entwicklung genommen mit durchschnittlich siebzehn Ausbildungsteilnehmern und -Kandidaten. Das Anwachsen des mpi/akjp-Instituts führte zu dem Wunsch, mit einem eigenen Vorsitzenden im mpi-Vorstand repräsentiert zu sein, statt wie bisher durch eine Sektionsleitung. Seit 2014 wird das mpi daher von einer Doppelspitze geführt.

Ein weiterer wichtiger Schritt war, dass aufgrund der Bemühungen von Herrn Porsch die Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz im Jahre 2008 am mpi Weiterbildungsregularien für den Erwerb eines zweiten Fachkundenachweises – Psychoanalyse – für bereits approbierte Psychotherapeuten anerkannte. Das bedeutet, dass Psychotherapeuten, beispielsweise mit dem Fachkundenachweis für tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie oder Verhaltenstherapie, im mpi den Fachkundenachweis für analytische Psychotherapie aufsatteln können.

Seit den Gründungsjahren folgt das mpi der inneren Verpflichtung, seine psychoanalytische Identität einer breiteren Öffentlichkeit durch Vortragsreihen bekannt zu machen und organisiert vielbesuchte Veranstaltungen.

Die erste Vortragsreihe hieß „Moderne psychoanalytische Entwicklungspsychologie“ (1997, Willenberg) und enthielt als erstes einen Beitrag der Altmeisterin der Bindungsforschung Lotte Köhler („Frühe Bindungserfahrungen. Die Bedeutung der Bindungsforschung für die Psychoanalyse“).

Eine über Jahre laufende Vortragsreihe „Die psychoanalytische Haltung und ihre Anwendungen“ (Willenberg) nahm Themen auf wie „Zur Psychoanalyse des hohen Lebensalters“ (1998), „Spezifische Krankheitsbilder aus psychoanalytischer Sicht“ (2004), „Forensik und Psychoanalyse“ (2006/2007), „Fallstricke in der Psychoanalyse“ (2009). Völlig überbucht war die Tagung „Religion und Psychoanalyse“ (10. u. 11. Juli 1998, Bassler), und regelmäßig überfüllt ist die Reihe „Psychoanalytiker stellen Filme vor“ (ab 2008 Bastian). Das Symposium „Wie viel Veränderung erträgt der Mensch?“ (23.02. 2008) fand bei auffallend vielen jüngeren Kollegen anderer Fachrichtungen Anklang.

Die jährliche kinderanalytische Konferenz, initiiert von Renate Kelleter, zieht seit 2008 Interessenten aus der ganzen Bundesrepublik an.

Vorsitzende des mpi von 1995 bis heute

  • Dr. med. Helmut Luft – 1995-2000
  • Dr. phil. Dipl.-Psych. Hans Willenberg – 2000-2008
  • Dr. phil. Dipl.-Psych. Rainer Paul – 2008-2012
  • Dr. med. Jürgen Sandmann – 2012-2018
  • Dipl.-Psych. Steffi Keßeler-Scheler – seit 2018

Leitung des mpi/akjp von 1995 bis heute

  • Dipl.-Psych. Beate Cordes – 2001-2008
  • Dipl.-Soz.-Päd. Sevgi Meddur –Gleissner – 2008-2010
  • Dipl.-Psych. Beate Cordes – 2010-211
  • Dipl.-Soz.-Päd. Sascha Broska – 2011-2014
  • Vorsitzender: Dipl.-Soz.-Päd. Sascha Broska – 2014-2016
  • Vorsitzende: Annette Rockenbach, Ärztin - seit 2018

Liste der Ausbildungsleiter von 1995 bis heute

Ausbildungsleiter DPV

  • • Dr. med. René Fischer – 1995-1998
  • • Dr. phil. Dipl.-Psych. Annelore Werthmann – 1998-2004
  • • Dr. med. Dipl.-Soz. Alf Gerlach – 2004-2006
  • • Dr. med. habil. Peter Möhring – 2006-2008
  • • Prof. Dr. phil. Dipl.-Psych. Hans-Volker Werthmann – 2008-2010
  • • Dipl.-Psych. Rotraut De Clerck – 2010-2012
  • • Dr. phil. Dipl.-Psych. Annelore Werthmann – 2012-2014
  • • Dr. med. Renate Kelleter – 2014-2016
  • • Dr. phil. Dipl.-Psych. Hans Willenberg – 2016-2018
  • • Dr. med. Jürgen Sandmann – seit 2018

Ausbildungsleiter akjp

  • • Dr. med. Eugenia Fischer – 2000-2004
  • • Dr. med. Renate Kelleter – 2004-2006
  • • Dipl.-Psych. Beate Cordes – 2006-2012
  • • Dipl.-Soz.-Päd. Doris Kölsch – 2012-2018
  • • Dipl.-Psych. Katja Eisinger – ab 2018